„Zeigen, was eine Frau, die als Hebamme arbeitet, antreibt“
Interview mit Josefine Rausch über ihre Abschlussinszenierung Hebamme 2.0

Josefine Rausch (2.v.r.) und ihre Darstellerinnen. Von links: Ulrike Bovenschulte, Lisa Hassink, Marlies Strodt und Kathrin Echterhoff. Foto: Hochschule Osnabrück
Frau Rausch, wovon handelt Ihre Abschlussinszenierung Hebamme 2.0?
Josefine Rausch: „Es geht um die Berufssituation der Hebammen in der heutigen Zeit. Darum, was diese Frauen bei Ihrer Arbeit empfinden, welche individuellen Beweggründe sie dazu bewogen haben, genau diesen Beruf auszuüben. Was sie antreibt. Welchen Schwierigkeiten sie begegnen müssen. Es geht um ganz intensive und persönliche Einblicke.“
Was hat Sie dazu bewogen, sich mit diesem Beruf zu beschäftigen?
Josefine Rausch: „Die Idee, ein Stück über Hebammen und ihre Arbeit zu schreiben, hatte ich zum ersten Mal im November des vergangenen Jahres. Zum einen hatte ich in der Vergangenheit immer wieder persönlichen Kontakt zu den Hebammenschülerinnen, die hier an der Franziskus-Akademie neben unserem Institut ausgebildet werden. Wir haben uns oft unterhalten, ich habe einiges über ihre Ausbildung erfahren und gemerkt, dass mich diese Arbeit sehr interessiert. Zum anderen haben einige meiner Kommilitoninnen in dieser Zeit selber Kinder bekommen. Ich war geradezu umgeben von den Themen Schwangerschaft, Geburt und Babys.“
Welche Schritte auf dem Weg zur Inszenierung haben Sie zuerst unternommen?
Josefine Rausch: „Im Grunde hatte ich zunächst zwei Dinge zu tun. Zum einen habe ich meine Idee in der Franziskusakademie den Hebammenschülerinnen vorgestellt. Es war toll, dass sich gleich drei Schülerinnen gemeldet haben und mitspielen wollten. Um das Stück überhaupt realisieren zu können, musste ich zum anderen Sponsorenakquise betreiben. Das war zum Glück ganz unkompliziert. Ich habe schnell Firmen gefunden, die mein Projekt finanziell unterstützen wollten."
Wann haben Sie mit den Proben begonnen?
Josefine Rausch: „Wir haben eigentlich sofort mit den Proben begonnen. Das heißt, wir haben ganz viele Gespräche über den Hebammenberuf geführt und versucht, das was gesagt wurde, in Szene zu setzen. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass es toll wäre, das Ensemble um eine erfahrene Hebamme zu ergänzen. Einfach, um auch jemanden mit langjähriger Berufserfahrung dabei zu haben, der einen anderen Blick auf diesen Beruf hat. Mit Marlies Strodt habe ich eine Hebamme gefunden, die einen reichen Schatz an Erfahrungen einbringen konnte und die Inszenierung sehr bereichert hat.“
Ihre Darsteller sind Laien. Wie haben Sie ihnen das Theater spielen beigebracht?
Josefine Rausch: „Zunächst haben wir vor allem thematisch gearbeitet. Wir haben fachliche Diskussionen über den Beruf geführt. Ich habe die Darstellerinnen gefragt, was sie sagen möchten, was ihre Botschaft ist und gemeinsam haben wir überlegt, wie wir diese Botschaften „verpacken“ können. Für die Darstellung auf der Bühne habe ich den Hebammen schauspielerisches Handwerkszeug vermittelt: Wie muss ich auftreten, um präsent zu sein, wie muss ich sprechen, wie muss ich die Worte betonen, um verstanden zu werden, wie muss ich mich bewegen? Für mich war es toll, dass alle Darstellerinnen sich so auf dieses Stück eingelassen haben, sie haben alle viel Zeit investiert und sich für meine Inszenierung einspannen lassen.“
Wie haben Sie das Stück geschrieben?
Josefine Rausch: Im Grunde haben die Teilnehmerinnen, das waren zum einen die Darstellerinnen aber auch andere Hebammenschülerinnen, die Vorarbeit geleistet. Sie haben mit den Mitteln des Kreativen Schreibens erste Texte verfasst. Ich habe sie dabei angeleitet, ihnen die Methodik gezeigt. Das dabei entstandene fragmentarische Material habe ich dann am Schreibtisch noch einmal überarbeitet und zu Szenentexten zusammengeführt. Daraus sind nach und nach einzelne Szenen erwachsen. Das Schreiben war von Anfang bis Ende ein ganz offener Prozess, ich habe immer wieder etwas verändert, etwas umgestellt. Aber, ich wusste von Anfang an, dass ich eine Collage entwerfen möchte. Ich wollte kein zusammenhängendes Stück schreiben, sondern blitzlichtartig beleuchten, was den Hebammenberuf ausmacht, was die Frauen in diesem Beruf antreibt, was sie Schönes und Schlimmes erleben und welchen Problemen sie sich stellen müssen.“
Mit Ihrer Abschlussinszenierung haben Sie Ihr Studium der Theaterpädagogik beinahe beendet. Wissen Sie schon, was Sie anschließend machen möchten?
Josefine Rausch: „Ich möchte noch mehr ausprobieren und eigene Projekt realisieren. Ich habe gemerkt, dass es mir liegt, frei zu arbeiten, kreativ zu schreiben und in neue Thematiken einzusteigen. Das möchte ich gerne fortsetzen.“
By: Isabelle Diekmann

