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Tuesday, 26. June 2012, 12.12 Uhr

Der Geschmack von Rot

Theaterpädagogik-Studierende tanzen sich die Wut von der Seele

Wie es sich anfühlt, wenn die Wut anderer gegen einen gerichtet ist, verdeutlichte das Tanztheater „Der Geschmack von Rot“.

Die Theaterpädagogik-Studierenden zeigten einen Abend der Gegensätze. Fotos: Roman Starke


„Der Geschmack von Rot“ feierte kürzlich Premiere und brachte eine besondere Kunstform auf die Bühne des Lingener Burgtheaters: Tanztheater! Ausdrucksstark bewegten sich vier Studierende der Theaterpädagogik zur Live-Musik und tanzten sich ihre Gefühle, die sie mit Wut verbinden, von der Seele.

Beeindruckende Klänge in einer anderen Welt

Andreas Goretzka begleitete die Darsteller musikalisch. Er spielte Schlagzeug, Gitarre und Klavier; manchmal sogar zwei Instrumente gleichzeitig. Rockige Elemente wurden von ruhigen Passagen abgelöst, grundsätzlich ist die Musik energiegeladen und löste den Wunsch zum Mittanzen aus. Auch das Bühnenbild erzeugte beim Zuschauer eine positive Stimmung. Werbeplakate an den Wänden, Säulen und Podesten verwandelten den Theatersaal in eine andere Welt. Sarah Nadge inszenierte das Stück und erzeugte mit den Requisiten ein interessantes Großstadtflair.

Der Ausdruck von Wut

Direkt zu Beginn der 50-minütigen Aufführung riss die Studentin wütend die Plakate von den Wänden. Eine zweite Tänzerin betrat die Bühne und bewegte sich ausdrucksstark zum Klavier, das am Ende der Bühne stand. Während sie wild in die Tasten hämmerte, erschreckte Ben Nutzinger das Publikum mit einem lauten, scheinbar unendlich langen Schrei.

Beziehungen zwischen Menschen

In dem studentischen Eigenprojekt wurden drei zwischenmenschliche Beziehungen gezeigt. Alle verdeutlichten, wie Wut entsteht oder wie sie sich äußert. Dass sogar eine innige Frauenfreundschaft nicht vor Eifersucht gefeit ist, wurde deutlich als sich zwei Tänzerinnen um einen Mann stritten. Ohne Worte, nur durch Bewegungen, schlichteten sie schließlich ihre Auseinandersetzung. Bei einem Geschwisterpaar stand kein Konflikt, sondern die unterschiedliche Entwicklung im Vordergrund. Zunächst tanzten beide im selben Rhythmus, doch nach einer Weile verloren sie sich. Der Takt war nicht mehr der gleiche, denn jeder verfolgte nun etwas anderes. Anschließend krallte sich Juliane Nägele an den Körper ihres Tanzpartners. Das Publikum war von der Verlustangst und dem gescheiterten Kampf um die Liebe gerührt.

Wechselbad der Gefühle

Dass Wut aber nicht nur zerstörerisch, sondern auch konstruktiv sein kann, verdeutlichten im Chor gesprochene Texte: „Jede Wut, die in uns wohnt, bringt ein Fünkchen neuer Hoffnung, such die Straße, die sich lohnt, such die zukunftsträchtige Richtung.“ Während des Stücks war die Mimik der Schauspieler in einem Moment starr vor Wut, aber im nächsten Augenblick gelöst und fröhlich. Zwischen emotionalen Tanzszenen erklangen Texte mit wissenschaftlichem Inhalt. Zwar standen die Darsteller regungslos und in wütenden Posen auf der Bühne, dennoch sagte die Stimme vom Band, dass Wut ein elementar wichtiges Gefühl sei. Um Bluthochdruck zu vermeiden, müsse man es zulassen. Zudem erwähnte der Forscher: „Wut ist nicht die Suche nach Gewalt, sondern ein Bedürfnis nach Veränderung.“

Modern Dance

Franziska Lutz und ihre Kommilitonen präsentierten Modern Dance, eine zeitgenössische Form des Tanzens, auf der Bühne. Als das Ensemble von der Bühne ging, gab Andreas Goretzka am Schlagzeug noch einmal alles. Im anschließenden Nachgespräch hatte das Publikum die Möglichkeit, sich ausführlich mit den Studenten zu unterhalten. Dabei wurden Ideenfindung und Entstehungsprozess hinterfragt. „Wir tanzen alle für unser Leben gern. Es war eine Herausforderung und ein lang gehegter Wunsch ein Tanztheater zu initiieren“, sagte Sarah Nadge.


By: Johanna Peeck



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