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Mittwoch, 16. Mai 2012, 12.38 Uhr

„Wenn es keine Arbeit gäbe, müsste man sie erfinden“

KinderCampus startet mit großer Resonanz

Bei der ersten Vorlesung des KinderCampus im Sommersemester 2012 lauschten rund 170 Mädchen und Jungen aufmerksam den Worten von Wirtschaftswissenschaftler Fritjof Karnani, Dozent am Institut für Management und Technik.

Der zehnjährige Daniel Stenzel interessierte sich brennend dafür, warum Mama und Papa arbeiten gehen.

Fritjof Karnani verdeutlichte den jungen Studenten zwischen neun und zwölf Jahren die wissenschaftlichen Hintergründe zu den Themenbereichen Arbeit und Geld. Fotos: Johanna Peeck


Warum gehen Mama und Papa eigentlich arbeiten? Mit dieser Frage leitete Dipl.-Wi.-Ing., Dipl-Geol. Fritjof Karnani, MBA Dozent am Institut für Management und Technik, die erste von vier Ringvorlesungen des diesjährigen KinderCampus der Hochschule Osnabrück am Standort Lingen ein. Rund 170 neun- bis zwölfjährige Mädchen und Jungen waren in die Halle IV in der Kaiserstraße gekommen, um der Frage einmal wissenschaftlich auf den Grund zu gehen.

Geschichte des Geldes

Die Antworten der jungen Studenten ließen nicht lange auf sich warten. „Mama und Papa müssen arbeiten gehen, um Geld zu verdienen“, waren sich die Kinder einig. Schließlich müssten Steuern und Taschengeld gezahlt, Lebensmittel eingekauft sowie ein Auto und Haus finanziert werden. Dass unterschiedliche Arten von Geld schon immer eine wichtige Rolle im Leben der Menschen gespielt haben, verdeutlichte Karnani den aufgeweckten Sprösslingen mit einem Exkurs in die Geldgeschichte. „Früher tauschte man beispielsweise einen Sack Mehl gegen eine Kuh, das war aber recht unhandlich“, witzelte der Wirtschaftswissenschaftler. Danach seien Tauschmittel wie Kaurischnecken, Salz und Gold verwendet worden, bis schließlich der Geldschein zum Einsatz kam.

Tausche Arbeitskraft gegen Geld

„Wenn Menschen arbeiten gehen, tauschen sie ihre Arbeitskraft gegen Geld“, erläuterte Karnani weiter. Dieser Tauschwert steige mit der Intensität der Ausbildung und der Wichtigkeit der Arbeit. Darüber hinaus spiele der Faktor Seltenheitswert in einigen Fällen eine Rolle. „Wer etwas Besonderes kann, das nur wenige beherrschen, also über ein Talent verfügt, kann damit viel Geld verdienen“, betonte Karnani. Dazu gehöre beispielsweise ein Fußballstar. Geld könne man aber nicht nur durch Arbeit, sondern auch durch Vermietung oder die Gründung eines eigenen Unternehmens verdienen. Im letztgenannten Punkt kennt sich der Dozent besonders gut aus, vertritt er doch den Bereich Unternehmensgründung am Institut für Management und Technik. Als berühmtes Beispiel für eine überaus gelungene Unternehmensgründung führte er das Unternehmen Apple mit einem Wert von 537 Milliarden US Dollar an. Der Apple-Gründer Steve Jobs war allen Kindern ein Begriff, schließlich hat er das iPhone erfunden.

Legodesigner als Traumberuf

„Was meint ihr, wie viele Menschen, die unerwartet viel Geld gewonnen haben, gehen noch arbeiten?“, wollte Karnani als nächstes von den kleinen Zuhörern wissen. Dazu hatten die Kinder ganz unterschiedliche Meinungen. Der Wirtschaftswissenschaftler erklärte ihnen, dass, laut einer Studie, von zehn Lottogewinnern, noch neun arbeiten gehen. Also könne Geld nicht der einzige Grund sein, um zu arbeiten. „Anderen Menschen zu helfen“, „Kontakte zu anderen zu haben“ oder „Einfach um Spaß zu haben“, zählten die Kinder weitere mögliche Gründe auf. Spaß beziehungsweise Motivation, wie es in der Wissenschaft hieße, sei ein wichtiger Faktor, erläuterte Karnani. Denn wer Spaß an seiner Arbeit habe, mache weniger Fehler und arbeite besser. In diesem Zusammenhang wurde das Stichwort „Traumberuf“ genannt. Jeder der rund 170 Kinder hatte nun die Aufgabe, seine Nachbarin oder Nachbarn zu ihrem / seinen Traumberuf zu befragen. Dabei stellte sich heraus, dass die Berufe Fußballspieler, Tierärztin und Polizistin nach wie vor sehr beliebt sind, aber auch sogenannte Legodesigner nun zu den Top Ten gehören.

Lust auf Hochschule machen

Für die zukünftigen Berufseinsteiger werde es, aufgrund des demografischen Wandels, genügend Arbeit geben, prognostizierte Karnani. Voraussetzung sei allerdings eine gute Schulbildung und Flexibilität. Mit den Worten: „Wenn es keine Arbeit gäbe, müsste man sie erfinden“, beendete Karnani seine Ausführungen und erntete dafür anstatt Beifall, lautes Klopfen, wie es nach einer Vorlesung üblich ist. „Die Zeit ist so schnell vergangen, ich möchte bei der nächsten Vorlesung auf jeden Fall wieder dabei sein“, äußerte sich eines der Kinder begeistert. Aber nicht nur die Vorlesung, sondern auch die ausgehändigte Urkunde, der Studentenausweis, die Tasche und Schreibblöcke mit dem neuen KinderCampus-Logo kamen bei den Kindern gut an. Karnani, selbst Vater einer sechsjährigen Tochter, wollte den Kindern Lust auf Hochschule machen, was ihm durch seine anschauliche Vorlesung zum Thema „Warum gehen Mama und Papa arbeiten?“ mehr als gelungen ist.

 

Der nächste KinderCampus zum Thema „Zauberei oder doch Wissenschaft“ findet am 30. Mai statt.


Von: Miriam Kronen



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