Sie sind hier:  HS OsnabrückFakultät MKT
Freitag, 1. Juni 2012, 12.16 Uhr

Das Leben des Richard Gier

Theaterpädagogik-Studierende thematisieren die Abgründe der menschlichen Seele

Bo Jake Howell spielt Richard Gier.

Die Familie Gier (l.) nimmt gerne noch ein Stück Kuchen - wenn er umsonst ist. Fotos: Hochschule Osnabrück


Das Ehepaar Gier, dargestellt von Imke Allerbeck und Nils Flachmeier, ist erfolgreich, finanziell unabhängig und selbstbewusst. Getreu dem Motto „Man muss nehmen, was man kriegen kann“ versuchen sie, stets das Beste aus ihrem Leben herauszuholen. So auch als ihr Sohn Richard geboren wird. Mit einem frühzeitigen Kaiserschnitt bringt Aurelia Gier den kleinen Richard auf die Welt. Robert Hüttinger, in der Rolle des Arztes, muss ihr nach der Geburt mitteilen, dass ihr Sohn einen Herzfehler hat. „Sein Herz schlägt manchmal zu schnell, er kann möglicherweise später einmal nicht genug bekommen“, erklärt er der wenig besorgten Mutter.

Eine verhängnisvolle Erziehung

Um Machtkämpfe zu vermeiden und zu verhindern, dass ihr Sohn etwas teilen muss, bekommen die Giers kein weiteres Kind. „Teilen bedeutet Verlust und Verlust bedeutet Schmerz“, so die Erkenntnis seiner Mutter. Diese Feststellung begleitet Richard, gespielt von Bo Jake Howell, durch seine gesamte Kindheit und Jugend. Das Resultat dieser Erziehung lässt nicht lange auf sich warten.

Prioritäten setzen

Als Erwachsener will sich Richard voll und ganz seiner Karriere beim Finanzamt widmen. Dafür nimmt er auch in Kauf, den Kontakt zu seinen Freunden zu verlieren. Doch dann schlägt der bei seiner Geburt diagnostizierte Herzfehler zu und er geht zu seinem Arzt. Dieser bescheinigt ihm die Krankheit „Give-it-to-me“ und rät ihm, etwas kürzer zu treten. Aber Richard wäre kein Gier, würde er sich diesen Rat zu Herzen nehmen. So kommt es, dass er in der Schlüsselszene des Stücks eine folgenschwere Entscheidung trifft.

Was sagt das Publikum?

Vor dieser wichtigen Wahl wird das Stück für einen Moment unterbrochen, um ein Stimmungsbild der Zuschauer einzuholen. „Wie würden Sie sich entscheiden?“, lautet die Frage, die an das Publikum im vollbesetzten Burgtheater weitergegeben wird. Die Meinung der Zuschauer ist eindeutig und gespannt verfolgen sie, wie Richard darauf reagieren wird. Wieder überrascht das Stück mit einer entschlossenen und drastischen Reaktion Richards: „Ich scheiß’ auf eure Meinung!“

Das Stück

Die einzelnen Szenen des Stücks wechselten zwischen kurzen Monologen und Einzeldarstellungen, die sich mit den gedanklichen Abgründen des Menschen und seiner Gier im weitesten Sinne auseinandersetzten. Diese Episoden waren losgelöst von der eigentlichen Erzählung und wurden größtenteils von dem Buch „Die Monster sind in dir“ von Andy Stanley und durch eigene Erlebnisse der Studierenden inspiriert. „Letztlich geht es hier vor allem um Beziehungen“, erklärt Lukas Lanzrath, Student der Theaterpädagogik im sechsten Semester und Regisseur des Stücks. „Das Stück ist wie ein Gleichnis und soll den Zuschauer länger beschäftigen, als es pure Unterhaltung tut“, so Lanzrath zu der grundsätzlichen Intention des Stücks.

Medienkünstlerisches Eigenprojekt

Gemeinsam mit seinen Kommilitonen aus dem zweiten und vierten Semester entwickelte und inszenierte Lanzrath die Geschichte um Richard Gier. Seit November beschäftigte sich die zehnköpfige Gruppe mit dem Thema Gier in seinen verschiedenen Facetten. Sie sammelten Geschichten und biografische Anekdoten zum Thema und ließen diese in das Projekt mit einfließen. Im Februar schrieb Lanzrath das Stück schließlich auf, bevor im März die Proben im Burgtheater begannen. Nach der groben Vorlage entstanden in dieser Phase die konkreten Dialoge und die Kulissen der gesamten Komposition. „Jeder bringt seine Fantasie und seine Vorstellungen mit ein und kann neue Ideen beisteuern. Das letzte Wort liegt dann allerdings bei mir“, erklärt Lanzrath seine Rolle als Regisseur in der Gruppe. Laura Fehr, die unter anderem die Rolle von Richards Tochter übernahm, war zufrieden mit dem Projekt. „Es hat alles gut geklappt. Und obwohl es viel Arbeit war, war die Zusammenarbeit ganz locker und entspannt.“


Von: Saskia Kampmeyer



<- Zurück zu: Fakultät MKT